Die Evangelische Stadtkirche in Baden-Baden liegt direkt am Augustaplatz, nahe der Lichtenthaler Allee, gegenüber dem Museum Frieder Burda: also im Herzen der Stadt. Sie ist der erste evangelische Kirchenbau im mehrheitlich katholischen Baden-Baden. Erst mit dem Aufleben des Kurwesens, zu Beginn des 19. Jhs., kam es zur Errichtung einer evangelischen Predigtstelle, da viele Kurgäste evangelische Gottesdienste wünschten. 1855 konnte der Grundstein gelegt werden. Der Entwurf stammte von Friedrich Eisenlohr, Prof. an der TH Karlsruhe. Aufgrund wirtschaftlicher Krisen verzögerte sich die Fertigstellung jedoch.

Die Türme der evangelischen Stadtkirche in Baden-Baden
Einen großen Spendenzufluss brachte schließlich ein misslungenes Attentat auf den preußischen König Wilhelm (den späteren Kaiser Wilhelm I., er kam seit 1849 jährlich mit seiner Frau Augusta zur Kur hierher). In der Lichtentaler Allee schoss 1861 ein Student auf ihn, der Schuss streifte aber nur leicht den Hals des Königs. Aus Dankbarkeit für diese Bewahrung spendeten das preußische und das badische Herrscherhaus das Auferstehungsfenster für den Chorraum. Vom preußischen Adel kamen ebenfalls großzügige Spenden. So konnte die Kirche 1864 - zwar noch ohne die beiden Türme-, eingeweiht werden. Im Oktober 1876 waren auch die Türme vollendet.
Das Innere der Kirche wird von den Fenstern in der Apsis des Chores bestimmt: dem Geburts-, dem Kreuzigungs- und dem Auferstehungsfenster im damals gängigen „Nazarener-Stil“ (1863 in der Münchener Glaskunstwerkstatt Eggert angefertigt). Vorne im Chorraum öffnen sich rechts und links in Höhe der Fenster die Wände für zwei Logen. (Die der Kanzel gegenüberliegende war die Fürstenloge.)
Das Mittelschiff erhält sein Licht von den je drei großen Fenstern in den oberen Seitenwänden. Unterhalb der Fenster liegen die Seitenemporen. Ihre Brüstungen sind mit Maßwerk geschmückt. Darunter befinden sich Arkadenbögen, die das Mittelschiff von den beiden Seitenschiffen trennen. Die Bögen ruhen auf Säulen, deren Kapitelle mit floralen Motiven verziert sind, jede der sechs Gruppen mit einem anderen Motiv. Zwischen den Arkaden steigen kräftige Pfeiler empor. In den unteren Seitenwänden befinden sich noch je zwei bunte Glasfenster - die Reformatorenfenster. Auf der rechten Seite Luther und Melanchthon, auf der linken Zwingli und Calvin. Auf der Orgelempore steht seit 1971 ein Instrument der Fa. Mühleisen, Straßburg, mit drei Manualen und 41 Registern. Im Chorraum befindet sich ein Positiv der Fa. Heintz, Schiltach.
Im Jahr 2016 kam es zu einer weiteren großen Innenrenovierung, bei der u.a. der Boden völlig erneuert wurde. Auch die Orgel wurde gereinigt, renoviert und erweitert.
(Text gekürzt aus: Helga Tauber, Kurzführer der evangelischen Stadtkirche Baden-Baden)



